In Gähwil brennt im Dorfladen wieder Licht. Rund um die Uhr.
Ende Februar 2024 schloss in Gähwil der letzte Laden. Ein Jahr später taten sich der Dorfverein und die Toggenburgshop AG zusammen. Seit Mai 2025 ist der Dorla offen: 24 Stunden am Tag, ohne Personal an der Kasse.

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Der letzte Laden im Dorf macht zu
Gähwil gehört zur Gemeinde Kirchberg im Toggenburg, rund 1100 Menschen leben hier. Bis Sommer 2023 hatte das Dorf einen Spar-Laden. Ein neuer Betreiber übernahm im August 2023, ein halbes Jahr später war Schluss: Der Laden rechnete sich nicht. Mit ihm verschwand auch die Postagentur.
Ältere Menschen mussten nun nach Kirchberg fahren, und dem Dorf fehlte sein Treffpunkt. Im März 2024 stand über Gähwil in der Zeitung: «Sie haben keinen Dorfladen verdient.»

«Wir haben gespürt, dass die Menschen den Dorfladen vermissen»
Das sagt Pirmin Fischbacher, Präsident des Dorfvereins «Gähwil vereint». Ein bedienter Laden wäre wieder zu teuer gewesen. Also suchte der Verein den Kontakt zur Toggenburgshop AG, die im Toggenburg schon Läden ohne Personal betrieb. Käser Martin Kurmann vermittelte den Vermieter, Mitbesitzer Urs Gebert gab das Lokal zu einer moderaten Miete, und die Spar- und Leihkasse Kirchberg sprach einen Beitrag aus ihrem Fonds.
1 2024
Der Dorfverein sucht eine Lösung. Die Infoveranstaltung nach seiner Hauptversammlung ist sehr gut besucht.
2 Anfang 2025
Ein Team aus Dorfverein und Toggenburgshop AG startet ein Pilotprojekt für ein Jahr.
3 Mai 2025
Kasse und Zutritt zum Bier- und Schnapskeller sind eingerichtet. Die Regale kommen kurz vor der Eröffnung.
4 28. Mai 2025
Eröffnung. Es regnet, und trotzdem kommen viele aus dem Dorf.
5 März 2026
An der Hauptversammlung von «Gähwil vereint» heisst es: Die Pilotphase ist bestanden, der Dorla bleibt.
Wieder ein Laden im Dorf
Im Haus an der Hulfteggstrasse, wo schon der alte Dorfladen war.

Rund 100 m²
Vom Brot über Pasta bis zu Frischem aus der Region.

Immer nah, immer da
Das Schaufenster am Abend: 24 Stunden für Gähwil.

Ein Laden, den das Dorf trägt
Drei Mitarbeiterinnen aus Gähwil schauen zum Laden. Die Produzenten aus der Region füllen ihre Regale selbst, und der Dorfverein hat den Laden von Anfang an mitgetragen.
«Das ist nicht selbstverständlich – und es ist vor allem der Verdienst der Gähwiler selbst.»
- Einwohnerinnen und Einwohner
- 1100Einwohnerinnen und Einwohner
- offen, ohne Personal an der Kasse
- 24/7offen, ohne Personal an der Kasse
- Frauen aus Gähwil betreuen den Laden
- 3Frauen aus Gähwil betreuen den Laden
Selbst scannen, bargeldlos zahlen
Der Dorla ist frei zugänglich, Tag und Nacht. An der Selbstbedienungskasse von scango.ch scannt die Kundschaft ihre Einkäufe und bezahlt mit TWINT, Debit- oder Kreditkarte. Für alle, die lieber Bargeld hätten, gibt es Wertgutscheine: Sie entstanden, weil genau das im Dorf gewünscht wurde.
Bier und Spirituosen stehen in einem eigenen Keller. Die Tür geht erst auf, wenn ein Ausweis zeigt, dass man mindestens 18 ist.
Brot aus Wattwil, Käse aus dem Dorf
Das Sortiment kommt so weit wie möglich aus der Region. Das Brot liefert jeden Tag die Bäckerei Thurbeck aus Wattwil, den Käse die Käserei Kurmann in Gähwil, Fleisch und Wurst die Näf-Metzg in Mosnang, das Bier unter anderem die Brauerei St. Johann. Die Produzenten bekommen jeden Monat eine Abrechnung, Regalmiete zahlen sie keine.
Brot jeden Tag
Frisch aus der Bäckerei Thurbeck in Wattwil.

Frisches vom Feld
Salat, Radiesli und Gemüse, so regional wie möglich.

Bier aus dem Toggenburg
Von der Brauerei St. Johann bis zum Mini.Bierladen in Lichtensteig.

Ein Treffpunkt, auch ohne Theke
Ein Jahr nach der Eröffnung lud der Dorla zum Freitagfeierabend: Bratwurst, Bürli und Bier für CHF 6 vor dem Laden. Neuigkeiten gibt es in der WhatsApp-Community, und für Feste kann man beim Dorla vorbestellen.

Was andere Dörfer vom Dorla lernen können
Warum scheiterte der alte Laden, und warum läuft der Dorla?
Ein bedienter Laden muss die Löhne für alle Öffnungsstunden erwirtschaften, das schaffte der alte Laden nicht. Der Dorla braucht niemanden an der Kasse. Drei Frauen aus dem Dorf betreuen ihn, die Produzenten füllen ihre Regale selbst, und das Lokal ist zu einer moderaten Miete gemietet.
Was braucht ein Dorf für einen Laden wie den Dorla?
Die Toggenburgshop AG sucht Standorte mit rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern und einem Ladenlokal von 70 bis 120 m². Genauso wichtig sind Leute im Dorf, die den Laden wollen und mittragen, wie in Gähwil der Dorfverein.
Geht ein Dorfladen ohne Bargeld?
Bezahlt wird mit TWINT, Debit- oder Kreditkarte. Wer lieber bar zahlen würde, kauft Wertgutscheine und bezahlt damit an der Kasse.
Wie verkauft der Dorla Alkohol ohne Personal?
Bier und Spirituosen stehen in einem eigenen Keller. Dessen Tür öffnet sich erst nach einer Alterskontrolle mit Ausweis, ab 18 Jahren.
Und wenn jemand nicht bezahlt?
Der Laden ist videoüberwacht, die Aufnahmen werden mit KI ausgewertet. Wer erwischt wird, zahlt eine Umtriebsentschädigung von CHF 250. Im Alltag zählt aber vor allem das Vertrauen im Dorf.
«Ihr habt gezeigt, dass ein Dorfladen auch heute funktionieren kann.»
Das schrieb der Dorla im April 2026 an Gähwil, nach dem Ende der Pilotphase.
Willst du den Dorla selbst sehen?
Bei einer Begehung zeigen wir dir den Laden im Betrieb, von der Kasse bis zum Keller, und beantworten deine Fragen.


